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Chrome oder Microsoft 2.0

So, seit 21.00 Uhr europäischer Zeit kann man Chrome, das neueste Produkt von Google als Beta (haben die jemals eine final Version rausgebracht) runterladen. Zunächst für Windows, andere Betriebssysteme werden folgen. Und der SpOn ist schon begeistert: Schlank, Schnell, Stabil

Na gut, noch ein Web-Browser. Aber warum? Natürlich als Plattform, um die Google-Produkte zukünftig (noch) besser zu plazieren. Denn darum geht es IMHO: den unsichtbaren Zaun um den walled garden langsam hochzuziehen. Zukünftige Versionen von Google Docs etc. werden dann halt nur richtig gut in Chrome laufen. Gears wird integriert, damit man die offline-Nutzbarkeit sicherstellen kann. Man macht sich unabhängig vom unterliegenden Betriebssystem, aber abhängig vom Browser. Da nutzt auch das ganze Geschwafel von Open Source nur wenig.

Natürlich ist das nicht ohne Risiko. Ich wurde heute wieder an den klassischen Artikel von Joel erinnert: How Microsoft Lost the API War

Microsoft verlor, weil man mit der Webtechnologie nicht mehr auf das API von Microsoft zum Zugriff auf das Betriebssystem abhängig war. Mit Chrome wird ein neues API eingeführt. Das riecht für mich ein wenig wie Microsoft 2.0

Cem hat eine umfangreiche Linkliste mit Kommentaren in seinem Beitrag. Sein Fazit:

Götterdämmerung. Das wird ein harter Brocken für Microsoft, Firefox & Co. – Gute Nacht.

Google ist auf dem Weg zum Monopolisten. Mir wird leicht mulmig.

Robert hat auch eine gute Einschätzung:

was passiert, wenn ein Browseranbieter den Browser gedanklich eben mehr als eine reine Rendering-Machine für Webseiten betrachtet und versteht.

Sein erster Eindruck ist allerdings (noch) nicht so berauschend.

Noch eine Bewertung von John Lilly, dem CEO der Mozilla Corporation. Und eine gute Bewertung aus verschiedenen Perspektiven in einem Kommentar dort.

Die FAZ hat einen netten Kommentar von Holger Schmidt: Google Chrome: das trojanische Browser-Pferd

Es geht um das Betriebssystem der Zukunft, das im Internet laufen wird, und das vor allem Microsoft überflüssig machen soll. Denn Chrome integriert natürlich die anderen Google-Programme wie Mail für die Kommunikation, Docs & Spreadsheets für die Textverarbeitung und Tabellenkalkulation sowie die Desktop-Suche. Die Programme laufen in dem Browser parallel nebeneinander in verschiedenen Reitern.

Chrome bringt also quasi als trojanisches Pferd alle anderen Google-Programme mit und läuft – dank Google Gears – online wie offline. Ein Betriebssystem von Microsoft ist auf dem Computer dann nicht mehr nötig.

Das könnte dann tatsächlich der Boost für Cloud-Computing werden. Allerdings bezahlt der End-User dann nicht mit Geld, sondern mit seiner Privatsphäre. Seinen Präferenzen, seinen Suchstrategien, seinem Content. Noch mehr als heute. Und wieder in vermutlich zunehmend proprietärem Umfeld.

Dann fehlt noch das GooBook: ein Netbook, das einen schlanken Betriebssystemkernel auf einen Chrome-Desktop bootet. Goodbye Microsoft.

Eins ist seit heute klar: Die Schlacht um die Cloud beginnt jetzt. Und zwar richtig.

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