Nach dem perfekten Job zu suchen lohnt nicht

Heute in faz.net gelesen:

Volker Kitz:

Jede Jobwahl gründet auf persönlichen Motiven. Wer sich dabei hauptsächlich auf eines konzentriert – etwa den Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun und zu bewegen – steigert seine Erwartungen ins Unermessliche. Und muss im Alltag dann schnell erkennen, dass der eigene Einfluss oft sehr gering ist. Ebenso gilt: Auch ein Beruf mit hohem Status beinhaltet oft langweilige und anstrengende Routine. Letztlich ist es wie mit Weihnachten: Wenn ich mich das ganze Jahr über in erster Linie auf die knusprige Weihnachtsgans freue, ist das Fest verpatzt, wenn die Gans nicht perfekt knusprig ist. Weil ich alles andere – den schönen Weihnachtsschmuck, die festliche Stimmung – ausblende. Bezogen auf den Job bedeutet das: Es gibt unterschiedliche Motive: Geld, Status, Sinn und Spaß. Wenn ich mir von allem ein bisschen erwarte, aber von keinem zuviel – dann werde ich am Ende nicht enttäuscht.

Manuel Tusch:

Nüchtern betrachtet ist der Arbeitsvertrag zunächst einmal ein Austausch „Arbeit gegen Geld“. So gesehen ist es nicht zwingend, dass uns der Arbeitgeber zusätzlich noch den Sinn des Lebens spendiert. Andererseits verbringen wir nun mal einen großen Teil unseres Lebens bei der Arbeit. Da ist es für beide Seiten wichtig, daß man sich nicht entfremdet. Insgesamt aber sind die Erwartungen an den Job in den vergangenen Jahren explodiert. Das ist für beide Seiten ungesund. Wir plädieren für einen gesunden Realismus im Umgang mit den immer wiederkehrenden Grundproblemen, die uns in jedem Job begegnen.

Vielfach wird es in einem neuen Job ja nicht besser, sondern einfach nur anders. Oder, wie ein Ex-Chef von mir so treffend bemerkte: “Es wird immer besser, aber niemals richtig gut.”. Und da ist eine Menge wahres dran.